Aus der Tagespresse (22.12.08-10.01.09)

Rauchverbot löst sich in Luft auf (Süddeutsche, aja, nat, of, chro)
Immer mehr Wirte ignorieren die Vorschriften, Kontrollen gibt es kaum noch. Auf dem Papier besteht das Rauchverbot noch, in der Praxis nicht mehr. Seit der Ankündigung der CSU/FDP-Koalition, das erst vor einem Jahr eingeführte bayerische Nichtraucherschutzgesetz aufzuweichen, fallen bei immer mehr Wirten und Gästen die Hemmungen: Es wird wieder öfter gequalmt. weiterlesen ...

Rauchverbot hat voll eingeschlagen
(Mittelbayerische)
Der "Glückstempel der Kurstadt" ist per Nichtraucherschutzgesetz zum 1.Januar 2008 „rauchfrei“ geworden. „Wir haben durch das Nichtraucherschutzgesetz viele Stammgäste verloren“, sagt Spielbankdirektor Klaus Schleicher in seiner Jahresbilanz im Gespräch mit der Kötztinger Umschau. Obwohl die staatliche Spielbank mit ihrer supermodernen Quellbelüftungsanlage auch bei vielen Rauchern für saubere Luft sorgen kann, sodass sich nie ein Nichtraucher belästigt fühlte, kam das Gesetz auch hier zur Anwendung. „Viele Gäste sind deshalb in die fünf tschechischen Casinos bei Furth im Wald abgewandert, wo geraucht werden darf“, weiß Klaus Schleicher aus Gesprächen. weiterlesen ...

München - After Eight - Alles nur Schall und Rauch
(Süddeutsche/ München extra, Beate Wild)
Seit einem Jahr gibt es das Rauchverbot - doch Münchens Wirte zeigten sich äußerst kreativ in dessen Umgehung. In mehr als 1000 Raucherclubs qualmen die Nachtschwärmer weiter. Glockenbachviertel, Baader Café, 22 Uhr: Die Bedienung stellt Aschenbecher auf die Tische. Es dauert nicht lange, da zünden sich fast wie auf Kommando die Hälfte der Gäste eine Kippe an. Eine halbe Stunde später ist es dampfig, neblig, stickig. Alles wie damals, vor gut einem Jahr, als es das Nichtraucherschutzgesetz noch nicht gab. In vielen Lokalen in München ist das Rauchen mittlerweile wieder erlaubt. Die Wirte haben sich bei der Umgehung des Gesetzes äußerst kreativ gezeigt. Es gibt die unterschiedlichsten Raucherclub-Modelle - von Mitgliedsausweisen über Raucherterrassen bis hin zu eigenen Schlüsseln für die Gäste. weiterlesen ...

NICHTRAUCHERSCHUTZ: Traurig sind die Tresenbrüder
(Märkische Allgemeine, Tim Tolsdorff)
HAVELLAND - Anfang 2008 trat in Brandenburg das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft. Seit dem 1. Juli müssen Wirte mit Strafen rechnen, wenn sie dagegen verstoßen. Die befürchtete Pleitewelle im Gaststättengewerbe blieb aus. Trotzdem ziehen die meisten Wirte im Havelland nach einem halben Jahr "rauchfrei" eine durchwachsene Bilanz.
Christiane Gstaltmayr betreibt in Brieselang die Gaststätte "Erster Siedler". „Bereits vor dem Rauchverbot hatten wir im Restaurant einen Nichtraucherbereich“, sagt sie. "Traurig sind aber die Tresenbrüder, die ihr Bier mit einer Zigarette genossen haben." Deren Wegbleiben habe Anfang des Jahres 2008 zu Einbußen geführt. Um der rauchenden Kundschaft etwas zu bieten, hat Gstaltmayr investiert – in ihre Terrasse. „Dort habe ich eine Markise und einen Windschutz angebracht, dazu gibt es neue Stühle, Decken und Kunstrasen“, sagt sie. Um das Raucherparadies klimafreundlich zu gestalten, habe sie sogar einen Infrarot-Heizstrahler statt eines Gasschirms angeschafft. „In der Raucherterrasse steckt der Wert eines Neuwagens“, sagt Christiane Gstaltmayr. weiterlesen ...

Wie das Rauchverbot verpufft ( WELT ONLINE, Jörn Petring)
Besucher und Gastwirte tun sich nach einem Jahr noch immer schwer - Ein Rundgang am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg
Lea steht vor der Tür des Maccheroni. Ihren Daunenmantel hält sie an diesem kalten Abend nur mit der rechten Hand zusammen. Für die schelle Zigarette vor dem Essen ist es der Raucherin zu aufwendig, erst mühsam alle Knöpfe zu schließen. "Es ist zwar kalt", sagt die 27-Jährige. Ein bisschen Ungemütlichkeit könne man aber in Kauf nehmen, wenn dadurch die Luft beim Essen besser wird. "Rauchen ist verboten. Damit muss man sich eben abfinden." Ein Jahr nach dem Start des Rauchverbots in Berlin, steht die Gastroszene auf dem Kopf. Restaurants und Einraum-Kneipen profitieren unerwartet von dem neuen Gesetz. Probleme haben nun vor allem Allrounder, die Speisen anbieten aber auch auf den Barbetrieb angewiesen sind. In konzentrierter Form beobachtet man das auf dem Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg. Der Platz gilt als Mikrokosmos der Berliner Gastronomie. 13 Lokale reihen sich entlang der Raumer-, Duncker-, Lette- und Lychener Straße. weiterlesen ...

Ein Jahr Rauchverbot: Die Kneipenbilanz (Lübecker Nachrichten, Oliver Vogt)
Lübeck - Welche Folgen hat das Rauchverbot? Eine LN-Kneipentour ergibt ein gemischtes Stimmungsbild: Viele Gastwirte haben sich daran gewöhnt, andere hadern noch mit dem Gesetz.Wäre alles nach dem Willen des Gesetzgebers gegangen, hätten sich die deutschen Gastwirte so klaglos gefügt wie ihre italienischen und irischen Kollegen, gehörten  Szenen wie in „Buthmanns Bierstuben“ in der Glockengießerstraße seit einem Jahr der Vergangenheit an: Männer, die in dunstgeschwängerter Luft an Tischen sitzen, Bier trinken und dabei eine Zigarette nach der anderen rauchen. Mitte des Jahres hatte das Bundesverfassungsgericht einer Klage von Gastronomen stattgegeben und das Rauchverbot für Kneipen unter 75 Quadratmeter Fläche und mit nur einem Raum gekippt. Seither darf auch in „Buthmanns Bierstuben“ wieder gequalmt werden, ohne einen Besuch des Ordnungsamtes fürchten zu müssen. weiterlesen ...

Rauchverbot hat Berlins Kneipen nicht geschadet (Berliner Morgenpost)
Seit einem Jahr gilt in Berlin und Brandenburg das Rauchverbot. Vor allem Besitzer kleiner Kneipen hatten sich massiv dagegen gewehrt. Doch die Bilanz nach einem Jahr überrascht: Zwar gab es leichte Umsatzrückgänge, aber das große Kneipensterben ist ausgeblieben.
An einem Tisch hinter der Theke sitzen Frauen mit Kindern und unterhalten sich lebhaft. Vor der Eingangstür zum Café steht ein junger Mann, der eine Zigarette in der Hand hält und den Rauch in die Abendluft bläst. Seit Einführung des bundesweiten Rauchverbotes in Kneipen und Gaststätten vor etwa einem Jahr hat das Café „Konsum“ in Potsdam-Babelsberg durchaus neue Gäste gewonnen, wie Mitarbeiter Arne Boltze sagt. Darunter seien Erwachsene mit Kindern, die die gesündere Luft schätzten – und vorher das verqualmte Einraum-Café, das gleich neben einem Kino liegt, lieber gemieden hätten. weiterlesen ...