Gastronomen über das Rachverbot

Wolfgang Richter - VIVA Restaurant Hannover schrieb am 18.08.
Typisch deutsch ist es sich auf einseitige Statistiken zu verlassen die uns die Politiker vorgaukeln. Es gibt auch andere Erhebungen die genau das Gegenteil aussagen. Es kommt halt immer darauf an wer die Statistik in Auftrag gibt. Eigentlich bräuchte ich mir statistisch gesehen gar keine Gedanken über die gastronomische Existenz zu machen, da Bill Gates und ich laut Statistik ja jeder ein Paar Milliarden besitzen, welches mir persönlich aber genauso viel nützt wie die falschen Aussagen der Nichtraucher.

Früher gab es mal den Spruch: "Toleranz kann man nur von Rauchern lernen, die beschweren sich wenigstens nicht über die Nichtraucher." So langsam trifft dieses aber nicht mehr zu, weil militante Nichtraucher dem Rest der Bevölkerung keinerlei Freiheiten mehr zugestehen. Niemand möchte doch ernsthaft einen Nichtraucher zwingen in eine Rauchergaststätte zu gehen oder umgekehrt.

In eine Gaststätte geht man schließlich freiwillig und wird nicht dazu gezwungen. Da sollte dann die Entscheidungsfreiheit des Wirtes und seiner Stammgäste auch akzeptiert werden. Sonst können wir mit diesem Gesetz das so genannte Hausrecht ja gleich mit abschaffen.

Bei der wirtschaftlichen Analyse ist eines bis heute völlig außer Acht gelassen worden. Die Zigarettenautomatenaufsteller. Da wird eine ganze Branche zum 01.01.2007 per Gesetz genötigt Millionen für neue Automaten mit Altersprüfmöglichkeit zu investieren um ihr nur 7 Monate später mitzuteilen, dass alle aufgestellten Geräte im Gastronomie und Hotelgewerbe und die damit einhergegangenen Investitionen praktisch wertlos sind. So kann die Politik die Wirtschaft natürlich auch schädigen und das ganz ohne Gefahr von Schadensersatzansprüchen. (Die Altersprüfung halte ich im Übrigen auch für richtig)

Hier werden genau wie in der Gastronomie und bei deren Zulieferern Arbeitsplätze auf dem Scheiterhaufen staatlich verordneter Zwangserziehung verbrannt.
Es ist natürlich leicht, als wirtschaftlich nicht Betroffener, mit unzutreffenden Argumenten, über die Existenz anderer zu entscheiden.

Nach dem Beschluss der umgefallenen niedersächsischen Landesregierung (allen voran unserem Ministerpräsidenten) ist die seit längerem lodernde Hatz auf die Steuern zahlenden Raucher endgültig eröffnet worden.
Im Übrigen ist mein persönlich hohes Ansehen eines Landesvaters der sich nicht verbiegen lässt durch diesen Akt vollends zerstört worden.

Wieder ist uns Deutschen ein Stück Freiheit abhanden gekommen. Je mehr die Politik sich in die Privatsphäre der Menschen und die unternehmerische Freiheit einmischt, umso weniger brauchen sie Grundlagenforschungen zur allgegenwärtigen Politikverdrossenheit betreiben. Mit solchen Maßnahmen geben sie sich die Antworten darauf eigentlich schon selber.
Warum ist es gerade bei solchen Entscheidungen in unserem (demokratischen) Land denn nicht mehr möglich die Leute mit den Füssen abstimmen zu lassen? Über den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg von Raucher- oder Nichtraucherlokalen würde sich vieles von selbst regeln. Dafür brauchen wir keine Politik. Es gibt für die so genannten Volksvertreter wichtigere Aufgaben in diesem Land.

Mich würde einmal interessieren wie lange wir Deutschen uns diese Entmündigungen noch gefallen lassen bevor es zu einem Aufstand kommt.
Die Argumentation auf den Nichtraucherschutz des Personals zu lenken war zwar ein netter Versuch hätte aber einmal mit einer Umfrage untermauert werden sollen. Diese Erhebung wäre dann aber aller Wahrscheinlichkeit nach vollends nach hinten losgegangen.

In meiner 23 jährigen Praxis im Gaststättengewerbe habe ich unzähliges Personal kennen gelernt. Davon waren mindestens 90% Raucher. Ich jedenfalls brauche mir bei den zu erwartenden Umsatzeinbrüchen keine Sorgen um die Einhaltung der Kündigungsfristen zu machen. Eine unserer besten Kräfte hat wegen des Rauchverbotes bereits mit den Worten: das halte ich keine acht Stunden aus gekündigt.

Für unseren Betrieb ist der wirtschaftliche Schaden auch keine Spekulation oder negatives Denken, sondern fundamentiertes Wissen. Wir haben die Ausfälle bereits im Jahr 2005 erheblich zu spüren bekommen.
Zur Erklärung: Wir betreiben einen Gastronomiebetrieb mit Restaurant und angeschlossenen Tagungs- und Veranstaltungsräumen in einem öffentlichen Gebäude. Wir haben mehr Nichtraucher als Raucherplätze. Die Nichtraucherplätze befinden sich zudem in separat getrennten Räumlichkeiten. Leider können wir aus baulichen und architektonischen Gründen diese beiden Bereiche nicht tauschen. Somit kommt für uns die Möglichkeit eines abgeschlossenen Raucherbereiches nicht in Betracht.

Für das gesamte Zentrum ist der Gastraum die einzige Insel für die, komischer Weise auch noch, existierenden Raucher. Davon profitieren wir in erheblichem Maße. Im Übrigen sind die Raucherplätze ca. 5 x so stark ausgelastet.
Am 01.07.2005 wurde ein generelles Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden der Landeshauptstadt Hannover eingeführt. Die sofortige Absage zweier bereits gebuchter großer Hochzeiten machten die angeschlossenen Räume für unseren Betrieb damit gastronomisch fast unnutzbar.
Auch bedingt durch die zurückgehenden Buchungen von Veranstaltungen und den damit einbrechenden Mieteinnahmen für die Kommune wurde dann für gastronomisch betreute Events durch eine Sonderregelung eine Ausnahmegenehmigung erteilt.

Mir müssen die ganzen nicht betroffenen Besserwisser also nichts über angebliche Statistiken aus anderen Ländern (die mich als hier lebender Staatsbürger ohnehin nicht sonderlich interessieren) oder über wirtschaftliche Auswirkungen erzählen.
Auch Wirte haben ja eventuell bei der politischen Meinungsbildung Multiplikations- Charakter. Diese Chance werde ich im Hinblick auf die nächsten Wahlen gerne beim Schopfe fassen.

Das kommt dann davon, dass man Betroffenen gegenüber im Vorfeld keine adäquate Anhörung ermöglicht und die Stimme von Millionen niedersächsischen Rauchern gegen eine Stimme aus Berlin eintauscht.